Der Förderverein Ausbildungszentrum Pretai

Im Pfarrhaus in Pretai wurden die Übernachtungsräume neu eingerichtet, so das sie nun auch vermietet werden können. Wer Interesse hat bitte wenden an:

Norbert Kraus, str. Principala nr. 542,  Tel. +40(744) 137898 oder Festnetz +40(269)427124  e-mail kr.norbert90@gmail.com

Rosemarie Popsor, str. Principala nr.30, Tel. +40(0269)863019

Einige Bilder aus dem ehemaligem Pfarrhaus:

   

Hilfe auf der Baustelle in Rumänien

Berufsschüler aus Northeim setzen auf internationaler Baustelle für zwei Wochen eine Kirchenburg instand

Auf der Baustelle wurde kräftig mit angepackt. Bild: Frank Bertram/ Evangelische Zeitung

Northeim/Pretai – Sie haben eine neue Treppe zum Torturm eingebaut, einen Teil des Kirchenbodens erneuert und noch vieles mehr in die Hand genommen, die jungen Maurer, Tischler, Dachdecker und Zimmerer aus dem Landkreis Northeim. Teilweise gemeinsam mit Schülern der  Pretaier Bauhütte für Jugendliche  haben die zehn Handwerks-Lehrlinge aus dem Kirchenkreis Leine-Solling in Rumänien angepackt.

Zwei Wochen lang haben sie vor Ort einen Teil der siebenbürgischen Kirchenburg Pretai renoviert, die Teil des Unesco-Weltkulturerbes ist. Kirchenburgen, eine Mischung aus Festung und Kirche, wurden als Schutzwall der Christenheit gegen Überfälle von Tartaren, Türken und Mongolen zwischen dem 13. und dem 16. Jahrhundert im heutigen Rumänien gebaut.

Viele von ihnen verfallen, Gottesdienste werden in dem einst sozialistischen Land nur von einer kleinen Minderheit besucht. „Wir konnten durch entsprechende Flexibilität und Ideenreichtum zu einem ansehnlichen Arbeitsergebnis kommen und die Sache ein ordentliches Stück weiterbringen“, sagt Oliver Homrighausen, Teamleiter Bautechnik an den Berufsbildenden Schulen (BBS) in Northeim. Der 40-Jährige hat die Gruppe aus dem Kirchenkreis geleitet.

Der Anstoß zur Reise kam von Homrighausen. Der Lehrer hatte schon während seines Studiums eine Hausarbeit über Kirchenburgen in Siebenbürgen geschrieben. Als der Studienrat vor einiger Zeit mit dem Präsidenten der Handwerkskammer Hildesheim, Jürgen Herbst, über das Thema sprach, fragte dieser, ob er denn Professor Manfred Gerner vom Förderverein Ausbildungszentrum Kirchenburgen kenne. Homrighausen musste verneinen, blieb aber interessiert. Als der Teamleiter BBS dann durch Zufall eine Fortbildung bei eben jenem Professor besuchte, war die Idee endgültig geboren.

Im privaten Sommerurlaub vor einem Jahr hat sich Homrighausen die Arbeit in den Kirchenburgen vor Ort einige Tage lang angesehen und den Besuch der Northeimer Gruppe vorbereitet. Bezahlt wurde die Reise zu je einem Drittel von der Schule, von der Jugendstiftung des Landkreises und von den Schülern selbst. Diese wurden vom Betrieb für die Zeit freigestellt oder hatten Urlaub genommen.

Zeit für Sight-Seeing und entspanntes Posieren hatten die jungen Handwerker nur sehr selten. Bild: Frank Bertram/ Evangelische Zeitung

Auf Initiative der Fachgruppe Handwerk in der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck ist 2008 der Förderverein Ausbildungszentrum Kirchenburgen mit Sitz in Kassel entstanden. In Partnerschaft mit der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses in Siebenbürgen will der Verein zur Qualifizierung von Fachkräften in den bauhandwerklichen Berufen und damit zugleich zum Erhalt der Kirchenburgen in Siebenbürgen als Teil des kulturellen Erbes in Europa beitragen.

Mit einem Reisesegen verabschiedete Superintendent Heinz Behrends die jungen Leute in der St.Sixti-Kirche in Northeim. Für ihre Reise brauchten sie nur ein fertig geschnürtes Bündel an einem Stock. Mit dabei in Rumänien war auch der freie Voigtländer und Wandergeselle Walter Lamprecht, der das zünftige Klatschen und Schallern den jungen Handwerker-Auszubildenden ebenso vermitteln wie Fragen zum abenteuerlichen Leben auf Wanderschaft beantworten konnte. Übernachtet hat die Gruppe im ehemaligen Pfarrhaus. „Die Menschen dort sind offen, gastfreundlich und lebenslustig – arm, aber glücklich“, schildert Homrighausen seine Eindrücke. Die Jugendlichen stimmen ihrem Lehrer zu. „Dort wird man nicht aufs Auto reduziert, es zählt nicht nur das Materielle“, sagt einer. „Auch wenn ich sechs Tage lang die gleiche Hose getragen habe, hat das niemanden dort gestört“, sagt ein anderer.

Und als sie einmal im Dorf einkaufen waren und das Geschäft nicht genug Wechselgeld hatte, „da haben wir einfach die Sachen mitnehmen dürfen und der Besitzer hat gesagt: Das könnt ihr heute Abend bezahlen, wenn ich wieder wechseln kann.“ In Deutschland wäre so etwas undenkbar, sagen die jungen Lehrlinge aus Northeim, Einbeck, Dassel, Kalefeld, Bad Gandersheim und Osterode.

In Rumänien war vorher noch keiner von ihnen. Einwenig bei GoogleMaps im Internet vor Ort umgesehen haben sich einige vor der Reise, das war’s. Ansonsten haben sie sich einfach auf das Neue, das Unbekannte eingelassen. Und die meisten von ihnen können sich vorstellen, noch einmal vor Ort zu helfen. Mit der Direktorin der Schule für Holzverarbeitung, Mihaela Sultanu, haben Homrighausen und sein Kollege Thomas Heege, Teamleiter Holztechnik, eine zukünftige Zusammenarbeit vereinbart.

Pretaier Bauhütte für Jugendliche  2012

Vom 9. bis zum 23. August konnte ich in Pretai sechs Jugendlichen wichtige Einblicke in das Zimmererhandwerk geben. Ich war von der Schönheit der Landschaft und der für mich völlig neuen Architektur überwältigt. Auch die Gastfreundschaft in Rumänien war eine neue und wunderbare Erfahrung für mich. Die Jugendlichen, die in ihrer sozialen Stellung sehr benachteiligt waren und auch einige schulische Defizite aufzuarbeiten hatten, waren durch die Bank freundlich, interessiert und bemüht. Entsprechend konnten sie am Ende unserer gemeinsamen Zeit in einem kleinen Test, den ich mir überlegt hatte, auch Erfolge erzielen.

Rückblickend waren die zwei Wochen viel zu kurz und ich freue mich schon darauf im nächsten Jahr dieses großartige Projekt länger unterstützen zu dürfen.

 

Benjamin Neunes, Zimmermeister

Firma Holzbau Neunes

Emilienstr. 18, 32756 Detmold